Wolf in Sachsen-Anhalt erschossen – Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. stellt Strafanzeige
Kleiner Onkel 9. Juni 2009
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Mit Entsetzen reagiert der Freundeskreis feilebender Wölfe e.V. auf die Nachricht, dass am vergangenen Samstag bei Tucheim in Sachsen-Anhalt ein Wolf von einem Jäger erschossen worden ist. Bei dem Tier handelte es sich wahrscheinlich um den Rüden des Wolfspaares, das seit 2008 auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow lebt. Jetzt im Juni ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Paar noch sehr junge Welpen hat. Da unter Wölfen beide Elterntiere ihre Jungen füttern, können die Welpen eventuell jetzt nicht mehr hinreichend versorgt werden.
Der Abschuss des streng geschützten Wolfes ist eine Straftat und kein Kavaliersdelikt. Der Freundeskreis wird deshalb Strafanzeige gegen den Schützen stellen. Das Agrarministerium in Magdeburg teilte bereits mit, dass sich der Schütze strafrechtlich verantworten müssen wird. Doch was heißt das genau? Unabdingbar ist, dass der Schütze als Sofortmaßnahme den Jagdschein entzogen bekommt. Ist das bereits passiert? Der Freundeskreis wandte sich mit dieser Frage sofort an die zuständige Verwaltung des Landkreises Jerichower Land. Eine Antwort steht bis jetzt aus. Anfang des Jahres war bereits eine Wölfin in Sachsen erschossen worden, im Dezember 2007 ein Tier in Niedersachsen. Im zweiten Fall sind die Schützen bekannt, aber ihren Jagdschein haben sie bis heute.
In letzter Zeit wird der Ruf aus den Kreisen der Jägerschaft – insbesondere in Sachsen – immer lauter, den Wolf wieder ins Jagdrecht aufzunehmen. Damit wird er rechtlich wieder zum „jagdbaren Wild“, selbst wenn er eine ganzjährige Schonzeit genießt. Der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. lehnt dies ganz entschieden ab. Die Abschüsse zeigen, dass die Jagdverbände es schon jetzt nicht verhindern können, dass immer mal wieder einige ihrer Mitglieder straffällig werden – und damit im Übrigen die gesamte Jägerschaft in Misskredit ziehen. Ist der Wolf erst einmal im Jagdrecht, wird es noch leichter sein, einen Wolf „waidmännisch von seinen Leiden zu befreien“, bloß weil er sich vielleicht einen Dorn in die Pfote getreten hat und hinkt. Das muss unbedingt verhindert werden.
Der Freundeskreis freilebender Wölfe wurde 2004 in der sächsischen Lausitz gegründet, wo sich Ende der 90er Jahre die ersten Wölfe in Deutschland angesiedelt hatten.
Der Verein klärt durch öffentliche Aktionen über den Wolf auf, arbeitet eng mit Wissenschaftlern und Behördenvertretern zusammen und unterstützt die zuständigen Ministerien beratend bei der Erstellung von Wolfsmanagementplänen. In Regionen, in denen nachweislich Wölfe leben, helfen die Mitglieder Schäfern und Landwirten aktiv bei der Absicherung ihrer Nutztiere vor Wolfsangriffen.
(openPR)
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